Der Schwan im Marktbrunnen

 

Vergänglichkeit.  Streben und Vergänglichkeit, werdendes Sein, dabei sein, daran dabei, davor, vorbei. Beispiele, Diskussion. Endloses Gefasel, Diskurs, Kriminalpolizei, Gefasel, Blabla, lose Enden. Viel Gefasel bei der Kriminalpolizei, Streben nach Vergänglichkeit, Sterben. Beilspiele. Kopf auf Stein, Kopfstein. Die Tote auf dem Asphalt, die Taube auf dem Dach.
Regen, Regeneration. Generationenvertrag, unverträglich, ungenesen, vertragen, davongetragen, vom Wind. Wind und Regen, nichts regt sich, außer dem regen Mantel. Darin der Kommissar. Er reckt sich.

Asphaltismus. Begehbarer Asphalt, übergangen. Vergangener Asphalt, alt. Alter Ego, zentrisch, konkav, konzentriert. Der Kommissar auf einem Stuhl, konzentriert. Im Mantel, damit er nicht erfriert, er friert. Ein Gehilfe mit Gehhilfe, sein Gang zum Stuhl – Stuhlgang; der Kommissar auf dem Stuhl, davor ein Tisch. Eine Lampe. Licht im Dunkel, dunkle Augen, es sind die Augen seines Gegners, gegenüber; der Täter, ein Lump. Täterätä.
Stählern die Blicke, blinken, blitzen, stählern, aus Stahl, Diebstahl, Mord! Blutmond, die Kralle des Adlers. Adelheid und ihre Mörder. Kommissar, männlich, geschieden; schade. Täter, männlich, verwitwet, schwarzer Witwer. Schwarz vor Neid, Neidhammel, Pleitegeier, gierig. Ein Vogel mit Ohren, lauschig, trügerisch, die trügende Kraft; Schmerz, der Dolch im Rücken – die Legende des Dolchstößers. Geburt einer Legende, Werden und Vergehen, Neugeburt. Das Ende im Anfang.

Ankunft. Gehilfe kommt an, Kommissar. Am Tisch an. Der Kommissar hat das kommen sehen, er ist nicht umsonst Kommissar. Antizipation wird groß geschrieben, der Kommissar schreibt es auch groß, es ist substantiv für ihn. Antilope wird auch groß geschrieben. Der Kommissar schreibt das auf, er ist auf der Hut; der Teufel steckt im Detail, sein Hut im Schrank. Der Gehilfe beugt sich auf hilfebeugerische Art herab und artikuliert sich herablassend: über die Schlechtigkeit des Seins, die Vergänglichkeit des Schlächters. Er missioniert; der andere ist der Kommissar. Keine Diskussion; Zigarettennebel. In den Nebelschwaden soll dem Bösling Böses schwanen. Der Schwan im Marktbrunnen.

MY BIG NIGHT: Bissfester Spaß im Glas

 

Die Komödie, das schwerste aller filmischer Unterfangen. Der Humor, noch subjektiver als jede emotionale Reaktion. Nie kann man es jedem recht machen. Regisseur Álex de la Iglesia kommt der Massenkompatibilität mit MY BIG NIGHT (Mi gran noche) sehr nahe. Die überschwängliche spontane Reaktion eines Festivalpublikums klingt danach.

In Spanien ist immer die Hölle los, zumindest im Film. Draußen wird protestiert und randaliert, während man drinnen einer kapitalistischen Farce nachgeht. In diesem Fall die Voraufzeichnung einer großen Silvestergala mit allem nötigen Glitzer Glitzer, aber ohne echtes Publikum und mit Champagnerattrappen. Der Kamerakran erwischt einen der Statisten, und Jose (Pepón Nieto) erhält das Angebot, den freigewordenen Platz am Tisch zu füllen, wo er auf Kommando klatschen, lächeln und komplett ausrasten soll. Für die Tage andauernden Aufnahmen muß schließlich alles perfekt sein.

Jose fungiert hier weniger als Protagonist denn als Avatar des Zuschauers, der sich in einem großangelegten Ensemble aus Personen und Handlungssträngen zurechtfinden muß, die sich zuweilen nicht direkt kreuzen und dennoch alle aufeinander einwirken. Glücklicherweise aber sind die einzelnen Geschichten in sich konsistent und interessant genug, um auch abseits ihrer Interkonnektivität zu gefallen, so daß allzuviel mentale Eigenleistung des Zuschauers nicht erforderlich ist. Es gibt Inseln innerhalb dieses narrativen Strudels, der wenig Zeit für kritische Reflexion läßt und stattdessen die Lacher zu maximieren sucht.

Das gefühlte Chaos wird bildlich hervorragend unterstützt von einem klaustrophobisch überfüllten Set, in dessen pompöser Enge sich Promis, Produzenten und Proleten unwillkürlich aneinander reiben. Das Tempo wird ständig aufrechterhalten und von Showeinlagen akzentuiert, welche separat vom Beifall gefilmt werden; den Rest erledigt der Schnitt - hier drängt ein Stück Metakommentar aus der Thematik. Der Film ist zweifelsohne makellos konstruiert.

Doch wie steht es nun um den Humor? Die Charaktere in MY BIG NIGHT sind überzeichnete Karrikaturen, die exzentrische Dinge tun, weit entfernt von der erwarteten, normalen Reaktion normaler Menschen. Ein Stück Satire steckt darin, doch subtil genug, um nicht offen anprangernd zu sein. Eine gewisse Affinität zum Absurden wird vorausgesetzt. Dann ist MY BIG NIGHT - subjektiv gesprochen - scheiße lustig.

THE SIMILARS: Wenn der Bart nicht zum Propheten kommt

 

Mexiko: Die Busstation ist eine große Halle mit Reihen an Sitzbänken, einem Ticketbüro, öffentlicher Toiletten und einer Bar. Hier warten Leute auf den Bus. An diesem Abend sind es nur wenige, doch sie haben alle ein dringliches Anliegen. Einer muß ins Krankenhaus, um der Geburt seiner Kinder beizuwohnen. Eine andere muß ins Krankenhaus, um selbst zu gebären. Plus eine Handvoll anderer Personen, die auch irgendwohin müssen, während draußen ein apokalyptischer Regen wütet. Heute fahren keine Busse.

Die Ingredienzien eines guten Kammerspiels sind alle da. Eine Reihe klar definierter Figuren mit gerade genug Hintergrundinformation, um leicht kategorisierbar und dabei noch interessant zu sein. Ein fließender Wechsel im Machtgefüge der Akteure und in der Sympathie des Publikums. Eine Eskalation der Ereignisse und Emotionen, und ein Ereignis höherer Gewalt irgendwo da draußen, das alle gegen ihren Willen auf kleinem Raum zusammenbringt und -hält. Klar ist, daß etwas Übernatürliches vonstatten geht.

THE SIMILARS (Los Parecidos) ist über weite Teile seiner Laufzeit eine großartig angelegte Kakophonie aus Quatsch. Alles schreit danach, bitte nicht zu ernst genommen zu werden - die größte Stärke des Films. In weichgezeichnetem Beinahe-Schwarzweiß entfaltet sich eine Posse, die mit lustigen, skurrilen Begegnungen beginnt, dann plötzlich düster, aber noch skurriler wird, und schließlich wieder sehr lustig, weil am skurrilsten ihren unterhaltsamen Höhepunkt erreicht. Ein Höhepunkt, der jedoch leider nicht deckungsgleich mit dem Finale ist, welches die größte Schwachstelle in Isaac Ezbans eigenwilligem Machwerk darstellt.

Sowie der unweigerliche Drang, die absurden Vorgänge in der Busstation aufzuklären, das bis dahin wunderbar unvorhersehbare Drehbuch kapert, fällt der chaotisch konstruierte Nonsens in sich zusammen und wird auf eine Weise uninteressant, die selbst wieder überraschend ist. Nach all dem grob unerklärlichen Unfug ist die Banalität des Schlußaktes auch deshalb so enttäuschend, weil Isaac Ezban mit allen Mitteln klar macht - hallo, Stimme aus dem Off - daß in dieser unoriginellen Wendung genau das steckt, was uns der Künstler damit sagen will.

CREEPY: Tatort Japan

 

Der Thriller, der Krimi, der Whodunnit. Er sucht nach Wegen, zu überraschen. Der Zuschauer ist erfahren. Er riecht die Lunte weit gegen den Wind (in Richtung des Windes gelänge ihm das nicht). Auf falsche Fährten locken lassen will er sich nicht, den er weiß ja um deren Vorhandensein. Doch was, wenn die Fährte nicht nur offenkundig, sondern auch richtig ist? Was, wenn der Verdacht zu nahe liegt, um wahr zu sein? Wer soll sich da noch auskennen.

Takakura (Hidetoshi Nishijima) ist der Name des Ex-Kommissars. Die letzte berufliche Begegnung mit einem Serienmörder nahm einen für alle Beteiligten unzufriedenstellenden Verlauf. Ein Jahr später fühlt er sich als Professor für Kriminalpsychologie nutzlos. Er will mal wieder was zu knacken. Nach dem Prinzip Willkür fischt er einen ungelösten Vermißtenfall aus der Datenbank des Unirechners. Gemeinsam mit einem alten Kollegen geht es daran, die Erinnerungen einer Hinterbliebenen auszugraben. Endlich mal wieder was los!

Währenddessen setzt seine Frau Yasuko (Yuko Takeuchi) ihre Hausfrauentage dazu ein, sich in der neuen Nachbarschaft bekannt zu machen. Keiner will was von ihr wissen. Der Einzige, der einen Hauch von Interesse zeigt, ist Nishino (Teruyuki Kagawa) von nebenan, der nur leider ein totaler CREEP Yst. So zumindest das Vorurteil. Er ist halt ein wenig sozial unbeholfen. Aber eigentlich ganz nett. Wenn er nicht gerade etwas total schaurig Verschrobenes von sich gibt.

Ein Schelm, wer eine Verbindung zwischen beiden Handlungssträngen erwartet. Daß im Hause Nishino etwas nicht rechtens sein möge, wird zu klar angedeutet, um wahr zu sein. Und überhaupt: Wo ist der zentrale Konflikt? Takakura spielt Hobbydetektiv, aber der Fall hat nun wirklich nichts mit ihm zu tun. Doch er braucht den Kick und kriegt nicht mit, wie daheim die heile Welt zusammenbricht.

Kiyoshi Kurosawa, nicht annähernd so taktvoll und relevant wie sein Namenscousin, läßt sich einen Haufen Zeit damit, den Spannungs-Unterbau für einen letzten Akt zu schaffen, der in einer Mischung aus Ungläubigkeit und Unglaublichkeit kulminiert. Wenn er den Schalter um- und das wahre Geschehen offenlegt, ist jenes bei aller Absehbarkeit doch düsterer als erwartet. Schade, daß es wie so oft eines Cocktails aus dummen Entscheidungen, Mangel an Kommunikation und schlicht irrationalem Verhalten diverser Akteure bedarf, um die Geschichte an diesen Punkt zu bringen. Spannend, aber intellektuell unbefriedigend. Wie ein guter Tatort, nur mit kräftig Überlänge und der gewissen japanischen Verdrehtheit. Denn jeder weiß: Die spinnen, die Japaner.

DESIERTO: Chekhov's Flare Gun

 

Der einsame Trucker mit seinem Tracker (Name des Hundes) hat's nicht leicht. Weil die Mexikaner immer noch nicht für die Grenzmauer bezahlt haben, muss er alles selber machen. Und so fährt er bei 48 Grad raus in die Bratsonne, um in der Wüste gen Mexiko ein paar illegale Übertreter zu schießen, die sich von einem wackligen, rostigen brusthohen Zaun nicht aufhalten lassen wollten. Erst läuft es prima, doch dann kommt der Salat: er erwischt sie nicht alle auf einmal. Und noch schlimmer: die Verbliebenen wollen leben! Also beginnt eine lange, anstrengende Jagd im Land der Steine und Kakteen.

Tatsächlich nimmt sich das Duell zwischen dem mordlustigen Schützen (Jeffrey Dean Morgan) und seiner hilflos flüchtigen Beute viel Zeit, ersteren zu beleuchten und alle Ereignisse beidseitig zu zeigen. Die Beweggründe des Vollpsychos werden dabei nicht klarer; er ist eben ein durchgeknallter Südstaaten-Hillbilly mit tief verwurzeltem Fremdenhaß. Entgeistert kann man nur zusehen, wie jener zwischen billigen Whiskey-Shots Freude an der Menschenjagd findet. Ein schwer verdaulicher Knochen, den Regisseur und Autor Jonás Cuarón da auswürgt.

Auf der anderen Seite des Laufs schlägt sich Gael García Bernal als einer der letzten Übriggebliebenen wie immer hervorragend. Klare Karrierelinie: die Verwicklung in Hundefilme von Amores Perros bis hier. Denn zweite Bedrohung neben dem wahnsinnigen Gringo ist sein auf Blut dressierter Köter. In der Isolation der Wüste bleiben angesichts solcher Widrigkeiten kaum Überlebenschancen. Die erdrückende Hitze schwemmt aus der Bildfläche, die weite, lebensfeindliche Ödnis der Wüste rahmt das Geschehen in Hoffnungslosigkeit. Doch man kämpft bis zum letzten Atemzug, weil alternativlos.

Cuarón liefert einen überraschungsfreien, handwerklich grundsoliden Thriller mit pfiffigem Timing ab. Schließlich gibt es im US-amerikanischen Süden (und Norden) tatsächlich genug Verrückte, die sich am eingebildeten Schrecken südamerikanischer Zuwanderung aufreiben. Wie zum Beweis wird DESIERTO bereits in einschlägigen Foren als linke Propaganda verschrien. Der Film also total politisch. Und ein Genrestreich, wie man ihn kennt und liebt. Die Moral von der Geschicht? Gibt es nicht.

UNDER THE SHADOW: Geisterkrepp

 

Ein verspuktes Haus in Teheran 198x. Der Dschinni ist mit einer irakischen Rakete durchs Dach gekommen. Während die anderen Bewohner nach und nach das Haus verlassen und der Mann seiner Wehrpflicht nachgehen muß, will Shideh (Narges Rashidi) das Heim nicht aufgeben. Gemeinsam mit Tochter Dorsa (Avin Manshadi) hält sie die Stellung, bis es nicht mehr geht. Doch bevor sie fliehen können, muss die Puppe wiedergefunden werden. Denn solange der Dschinni sie hat, wird er die Familie überall heimsuchen können.

Shideh, wie viele Iraner, hält nicht viel vom Ajatollah und dem religiösen Sittenzwang. Ihr einstiger politischer Aktivismus gilt den Obrigkeiten heute als Vorwand, ihr ein Studium zu verweigern. Das Kopftuch trägt man nur draußen und widerwillig. Zuhause wird gleichberechtigt gestritten. All die Systemkritik, die man von einem westlich mitbudgetierten Film erwarten darf, ist da.

Rund der halbe Film - die interessante Hälfte - dient der Darlegung der Familiendynamik und Hausgemeinschaft. Die Kamera klebt an Shideh, die sich unter Streß vor ihr Jane Fonda Workout-Video zurückzieht, um dann wieder stark zu sein für den alltäglichen Wahnsinn im beschossenen Teheran. Sie muss die Fäden in der Hand behalten. Doch dann kommt auch noch die Tochter mit Geistergeschichten daher, und Shideh verliert die Bodenhaftung. Oder wie?

Die Zugabe des übernatürlichen Horrors in den sehr realen Kriegshorror ist weder notwendig noch elegant - eine Reihe erklärender Dialoge zwischen den Hausbewohnern bereiten auf das vor, was Mutter und Tochter am Ende plagen wird. Während der Krieg draußen stattfindet, wo er vom weitestgehend auf das Haus beschränkten Beinahe-Kammerspiel ausgeblendet wird, muß drinnen der Geist umhergehen, um für Spannung zu sorgen.

Horrorfilme sind häufig dann am besten, wenn es das Monster gar nicht gibt. Doch Shideh erwacht im Verlauf von Babak Anvaris UNDER THE SHADOW ein paar Mal zu oft aus einem Albtraum, nur um am Ende doch vor einem wahrhaftigen Bettlakengespenst zu stehen. Was nun: Spuk oder Einbildung? Ersterer fällt mangels wahren Gruselfaktors flach, letztere ist nicht überzeugend genug als solche inszeniert, um eine befriedigende Auslegung der Ereignisse zu sein. Dazwischen versandet der eigentlich interessante iranische Kriegsschauplatz als dramaturgisch irrelevantes Schmückwerk.

THEY CALL ME JEEG ROBOT: Total verstrahlt macht sich bezahlt

 

Blöde Frage: Warum nicht mal eine Superheldengeschichte in einem Crime-Drama verankern? Daß diese Kombination hervorragend funktioniert, beweist Gabriele Mainetti in seinem tonal selbstbewußten THEY CALL ME JEEG ROBOT (Lo chiamavano Jeeg Robot), wo es am legendären Jeeg Robot liegt, im wahren Leben Hiroshi Shiba genannt, die Welt vor dem bösen Feuerfürsten zu retten.

Im richtig echten wahren Leben heißt der Gute allerdings Enzo (Claudio Santamaria) und ist Kleinkrimineller, der sich gelegentlich vom Mafioso ein Stockwerk tiefer auf Jobs anheuern läßt und eines Tages auf der Flucht vor Verfolgern in ein Faß radioaktive Schlacke fällt, die ihm Superkraft verleiht. Hiroshi ist er nur in der Fantasie Allesias (Ilenia Pastorelli), der mental hängengebliebenen (erwachsenen) Tochter seines Nachbarn, die sich ihr mieses Leben lieber auf Basis ihres Lieblingsanimes umdenkt. Und auch die übernatürliche Bedrohung existiert nicht, wohl aber der machtgeile, mental entgleiste und skrupellose Fabio (Luca Marinelli), der eine ebenso kleine wie unbedeutende Gang anführt, bei der Mafia aber groß rauskommen will. Dementsprechend hat Enzo auch keine Heldenambitionen, sondern setzt seine neuen Kräfte lieber erst mal sehr viel pragmatischer ein und geht damit klauen.

Was in der übergreifenden Gesamtgeschichte als herkömmliche Origin Story funktioniert, gestaltet sich in der Ausführung zuerst als charakterfokussiertes Drama, danach noch als schwarze Komödie. Alle Elemente des Heldenmythos sind da und ebenso witzig wie charmant verdreht. Die obligatorische Liebesgeschichte ist ein unbeholfenes Ertasten zweier Vollversager im Leben, die einander zwingend brauchen, um überhaupt noch zu funktionieren. Der Oberbösewicht wird von vornherein als Witzfigur illustriert, dessen eigene Leute kein Problem mit Widerrede haben und seine mörderischen Ausbrüche peinlich berührt hinnehmen. Als Hintergrund dient das echte Italien voller politischer Tumulte, keine Comicbuchvariante.

Spärlich ist die Action, die man gemeinhin mit dem Superheldengenre assoziiert. Wenn sie passiert, ist sie faktisch und unspektakulär - selbst im großen Endkampf, den man sich trotz aller Genredekonstruktion doch nicht ganz verkneifen mag. Das ist freilich auch richtig so, denn Dekonstruktion ist ja nun auch nichts neues mehr, um nicht zu sagen: alt. Und so endet das Ganze logisch vollendet in einem berechtigten Augenzwinkern. Mainetti ist sich zu jedem Zeitpunkt bewußt, was für einen Film er da dreht und produziert aus einer klug geschriebenen Mischung an Selbstironie und ehrlichem Drama einen der besten »Heldenfilme« der letzten Jahre.